1 Haus – 30 Wohnungen – 47 Menschen

Das Bundesratufer ist und war immer eine gute Adresse. Doch das Westfälische Viertel ist massiv von Gentrifizierung betroffen. Nur wenige Teile des Kiezes sind noch offen und durchgängig, die Prägung durch Luxuswohnen und der Eindruck einer Art Gated Community nehmen durch Luxussanierung, entsprechende Neubauten und Wohnungsprivatisierung nahezu unaufhaltsam zu. Der Ausverkauf des Kiezes muss endlich beendet werden!

Im Bundesratufer 12 leben Menschen mit durchschnittlichen Einkommen in Wohnungen mit einem schönen, aber keineswegs luxuriösem Standard.

Mitte Juni 2020 wurde uns mitgeteilt, dass das Haus an die Accentro Wohneigentums GmbH verkauft wurde. Wir, die Hausgemeinschaft Bundesratufer 12, fürchten die Umwandlung des Mietshauses in hochwertig modernisierte Eigentumswohnungen. Wir sind seitdem in großer Sorge, dass wir nach vielen gemeinsamen Jahren aus der liebgewonnenen Hausgemeinschaft und der vertrauten Umgebung verdrängt werden. Diese Art des Zusammenlebens, das Gefühl von ZUHAUSE, entsteht durch eine solche Nachbarschaft, es wächst und gedeiht in Hausgemeinschaften wie der unseren. Wir sind bunt und vielfältig, mitunter kontrovers, doch uns verbindet der ausdrückliche Wunsch, uns nicht auseinanderdividieren und vertreiben zu lassen.

Viele MieterInnen leben seit 55, 40 und 30 Jahren in diesem Haus, etliche sind hier aufgewachsen. Die nachbarschaftliche Solidarität, die Hilfsbereitschaft und nicht zuletzt die Verlässlichkeit der Gemeinschaft ermöglichen insbesondere den zahlreichen älteren MieterInnen ein Leben in ihrem vertrauten Zuhause mit der Sicherheit durch aufmerksame NachbarInnen. Das wollen wir unbedingt gemeinsam bewahren! Die Aussage der Accentro AG auf Ihrer Website, dass wenn Mieter ihre Wohnung nicht kaufen „möchten“, an Investoren verkauft werde, kann nur als zynisch bezeichnet werden. Wir MieterInnen wären finanziell nicht in Lage, unangemessen hohe Quadratmeterpreise zu zahlen – der Erwerb der Wohnungen wäre für uns absolut utopisch und auch nicht gewollt. Wir wollen MieterInnen bleiben. Die Selbstauskunft der Accentro AG, die sich auf ihrer Homepage als “führend in der Wohnungsprivatisierung in Deutschland” bezeichnet, ist Anlass genug, dass wir die Verdrängung von MieterInnen durch Luxusmodernisierung und Eigenbedarfsklagen fürchten.

Konkrete Maßnahmen in Bezug auf Luxusmodernisierungen oder Umwandlung in Wohneigentum sind uns noch nicht bekannt. Allerdings wurden bereits MieterInnen mit spontanen Wohnungsbesichtigungen konfrontiert und fühlten sich überrumpelt. Der Reparaturstau in den meisten Wohnungen spricht ebenfalls eine eindeutige Sprache. Einige besonders betagte MieterInnen sind seit der Bekanntgabe des Verkaufs gesundheitlich angeschlagen. Das ist ihr Zuhause, seit vielen Jahrzehnten – eine Verdrängung dürfen wir nicht zulassen!

Das Beispiel der erfolgreichen Rekommunalisierung von zahlreichen Wohnungen in der Karl-Marx-Allee macht uns auch für unser Zuhause Mut. Die Berliner Verfassung hält in Artikel 28 Absatz 1 das Recht auf angemessenen Wohnraum fest. Wir hoffen mit den Menschen des Netzwerks #200Häuser auf ein wachsendes politisches und gesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass bezahlbarer Wohnraum ein Menschenrecht ist.

Twitter: @bundesratufer
Homepage: https://Bundesratufer12.de